Freie Waldorfschule Trier

„Das Kind in Ehrfurcht aufnehmen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen.“ Rudolf Steiner

Fachunterricht

Fremdsprachen und Bewegungsfächer werden an unserer Schule ab Klasse eins unterrichtet.

Französisch

Vier Kolleginnen im Team des Französisch-Unterrichts von der 1. zur 13. Klasse: Liebe zum Französischen, Phantasie und Kreativität - da fiel uns spontan das Wahrzeichen von Paris ein. La Tour Eiffel - von vier Pfeilern getragen wächst er vom Fundament über mehrere Etagen hinauf zur Spitze. Das Lehrerteam begleitet die Kletterer von der Basis nach oben.

Sinnbildlich lässt sich das auf die Arbeitsweise unseres Französischunterrichts übertragen:

Der Sprachunterricht beginnt in beiden Fremdsprachen in der ersten Klasse und wird die ganze Schulzeit über gepflegt.

Diese lange Spanne ermöglicht es, den Unterricht breit anzulegen und den Kindern Zeit zu lassen für die Entfaltung ihrer Fähigkeiten, sozusagen für die sprachliche Besteigung und Eroberung des Eiffelturms von der Basis bis zur obersten Spitze.

Im  Anfangsunterricht stehen  begeistertes Staunen und phantasievolles Entdecken im Mittelpunkt. Mit Sprüchen, Liedern und kleinen Geschichten begegnen die Kinder dem Fundament des Turmes; ihre Nachahmungskräfte sind die Ausrüstung, um Klang und Redefluss der Fremdsprache aufzunehmen.

Die Wortschatztruhe wird unermüdlich gefüllt und mit diesem Reisegepäck erklettert man sich in der Mittelstufe die Regionen, die helfen, den Aufbau des Turms zu entdecken und zu begreifen. Grammatische Strukturen und Gesetzmäßigkeiten  bauen auf dem auf, was am Fuße des Turms bestaunt und im Spiel vielfältig erprobt wurde.

Gelangen unsere Französisch-Wanderer schließlich in die oberen Regionen des immer wieder erlebnisreichen Turmes, können sie aus dem erworbenen Reiseschatz der vorigen Jahre schöpfen und den verdienten Ausblick wagen.

Die Möglichkeit, sich mündlich und schriftlich vielfältig und individuell zu äußern, belohnt für die Mühe der vorangegangenen Entdeckungstour.

Englisch

Der Englischunterricht beginnt im ersten Schuljahr. Die Kinder lernen vor allem Lieder, Reime und kleine Geschichten in der Fremdsprache kennen, um in den Rhythmus und Klang der Sprache sowie in die von ihr beschriebene Welt einzutauchen. Die SchülerInnen lernen nach dem Prinzip der Nachahmung die englische Sprache kennen. Dabei wird größtenteils, dem Alter der Kinder entsprechend, auf die Bewusstmachung der Grammatik verzichtet. Dennoch wird hier die Grundlage für den späteren Erwerb der Grammatik gelegt, denn allen Sprachen liegen grammatische Strukturen zugrunde. Diese werden ähnlich wie bei dem Erwerb der Muttersprache aufgenommen.

Ab dem 4. Schuljahr beginnt auch das Erlernen grammatischer Regeln und textgebundener Vokabeln. Der Erwerb der Schriftsprache steht dabei zunächst im Mittelpunkt. Die den Kindern aus den ersten Jahren bekannten Sprüche und Reime werden jetzt geschrieben. Es folgen leichte englische Lektüren. Dabei werden Strukturen bewusst gemacht, die von den Kindern schon in den ersten Schuljahren unbewusst angewendet wurden.

In der Mittelstufe arbeiten die Schüler in geteilten Klassen (jeweils die Hälfte der Klasse) daran, das grammatische System der englischen Sprache kennen zu lernen, zu verstehen und sich zunehmend der richtigen Redemittel zu bedienen. Sie erlernen die Sprache dabei nicht nur als Erzählmedium in verschiedenen authentischen Texten, sondern auch als Medium der Alltagskommunikation, nicht zuletzt im Unterrichtsgespräch mit dem Lehrer. Die Sprachkompetenzen Hören, Lesen, Sprechen und Schreiben werden gezielt geübt und erweitert.

Ab der 9. Klasse bis zur 12. Klasse werden die Kenntnisse der Grammatik und die Kompetenzen des Hörens, Sprechens und Schreibens vertieft und erweitert. Im Bereich des Hörverstehens soll anhand von Gesprächen und Vorträgen, Dialogen, Liedern geübt werden, Schlüsselbegriffe und Inhalte zu erfassen. Mit  unterschiedlichen Textarten und Textgattungen wird das Leseverstehen erweitert. Anhand literarischer Texte, Liedertexte, Cartoons und Gedichten sowie Sachtexten soll gelernt werden, Texte zu verstehen, wiederzugeben und zu interpretieren.

Der Bereich Freies Sprechen soll durch Diskussionen, Argumentieren und spontane Meinungsäußerung sowie deren Begründung geschult werden. Im Bereich Schreiben sollen längere zusammenhängende fiktive und nicht-fiktive Texte erarbeitet werden z. B. in Form von Berichten, Beschreibungen, Stellungnahmen, Zusammenfassungen und Dialogen.

Klassenspiele fremdsprachlich – Herausforderung und erhöhte Spielfreude

„Potter, have you a rat to spare?“ asked a little lame cat with her tail in the air…

So beginnt ein kleines Theaterstück über Teilen, Mitgefühl und Güte, die einen armen Töpfer in Indien schließlich zum glücklichen Mann machen. Große Teile sind in Reimen geschrieben und lassen sich so gut von den Kindern lernen. Dieses Stück spielten wir (bereits zwei Mal) in einer fünften Klasse, nachdem die Kinder in der Unterstufe (Klassen 1-3) viele Reime und Gedichte kennen gelernt hatten und auch insgesamt ans regelmäßige Rezitieren gewöhnt waren.

Bis in die sechste Klasse hinein enthalten fremdsprachliche Theaterstücke noch viel chorisches Sprechen, so dass die Anstrengung des solistischen Vortrags noch im Hintergrund steht. Apropos sechste Klasse: gerne übernehmen Sechstklässler die Aufgabe eines englischen Stückes, vor allem, wenn es sich dabei um zentrale Gestalten typisch englischer Geschichten handelt wie z.B. Robin Hood, Dick Whittington oder dem Gespenst von Ghostmore Castle.

Das Arbeiten in der Fremdsprache erhält einen neuen „kick“ im Durchtragen eines solchen längeren Projekts, das dann schließlich - bei gutem Gelingen - einen unvergesslichen Höhepunkt des Sprachenlernens darstellt - so der Kommentar vieler jungen Menschen am Ende ihrer Schulzeit.

Auch in der zehnten Klasse, in der nicht obligatorisch ein Klassenspiel vorgesehen ist, kann ein weiterer Schub beim Erlernen der Fremdsprache über ein Theaterstück oder Ausschnitte daraus erfolgen. So gab es in der Vergangenheit im Bereich Französisch z.B. das Stück „Marius“ von Marcel Pagnol, das die jungen Menschen zwar stark forderte, ihnen aber gerade auch das Atmosphärische der französischen Sprache sehr nahe brachte.

Für die Zukunft wird man sehen, wer als nächster wieder diese schöne Möglichkeit ergreift…

Spielturnen und Sport

Spielturnen

Spielturnen unterrichten wir in den Klassen 1-3. Im Vordergrund steht, die Kinder mit fantasievollen Fangspielen, Geschicklichkeitsübungen und Spielliedern in vielseitige Bewegung zu bringen.

Sportunterricht

Sportunterricht erteilen wir in den Klassen 4-12 zweistündig pro Woche in halbierten Klassen. Er unterstützt die körperliche, soziale, kognitive und emotionale Entfaltung der Lernenden. Das physische Tun soll dabei immer von einem seelischen Erleben begleitet sein.

Wir begreifen den Sportunterricht als Erziehung mit und zum Sport. Somit stellen die Entwicklung sozialer Kompetenzen und die Aneignung sportartspezifischer Bewegungsmuster ebenfalls wichtige Unterrichtsziele dar. Die Verminderung von Bewegungsmangel mit seinen vielfältigen Folgeerscheinungen wie Haltungs-, Organschwächen und Übergewicht schon im Kindesalter ist ein weiteres Ziel.

Wann welche Sportart eingeführt wird und wie Übungen aufgebaut sind, richtet sich nach dem körperlichen und seelisch-geistigen Entwicklungsstand der Lernenden.

In der Mittel- und Oberstufe geht es um das bewusste und absichtsvolle Ergreifen der Bewegung und um die Überwindung von Widerständen durch Üben und Trainieren. Leistungen werden verstärkt gefordert und gemessen. Neben dem Angebot zahlreicher Sportarten wie tänzerische Gymnastik, Zirkeltraining, Badminton, Baseball, Unihockey und Schwimmen werden in allen Klassenstufen in den Bereichen Gerätturnen, Leichtathletik sowie innerhalb der Spiele jeweils altersgemäße Schwerpunkte gesetzt bzw. Sportarten neu eingeführt:

  • 5. Klasse: Gerätetummeln, erste Übungen im Bodenturnen, Olympische Spiele mit dem klassischen Fünfkampf, Völkerball
  • 6. Klasse: Reck- und Bodenturnen, Läufe über verschiedene Distanzen, Handball
  • 7. Klasse: Vierkampf im Turnen, Trampolinspringen, Weit- und Hochsprung, Basketball
  • 8. Klasse: Stufenbarren, Hochsprung, Kampfsport, Volleyball
  • 9. Klasse: Sprungkasten und Pferd, Kugelstoßen
  • 10. Klasse: Schwebebalken (Mädchen), Parallelbarren (Jungen), Diskuswurf
  • 11. Klasse: Salto- und Überschlagsbewegungen an verschiedenen Geräten, Speerwurf
  • 12. Klasse: turnerischer und leichtathletischer Mehrkampf, Wahlepoche

Olympische Spiele der 5. Klasse

In Anlehnung an die Griechenland Epoche sind die Olympischen Spiele in jedem Schuljahr der Höhepunkt im Sportunterricht der 5. Klasse. Über mehrere Wochen üben die Schüler für diesen Tag, an dem sich Schüler aus sechs Waldorfschulen der Region treffen und miteinander messen. Die Disziplinen sind, wie in der Antike: der Diskuswurf, der Speerwurf, der Weitsprung, der Sprint sowie das Ringen. Beurteilungskriterien sind nicht nur die gemessenen Ergebnisse, sondern auch die Schönheit der Bewegungsausführung. Die Spiele beginnen mit dem traditionellen Olympia-Spruch, der in verschiedenen Sprachen vorgetragen wird, sowie dem Entfachen des Olympischen Feuers. Der Tag endet mit der Siegerehrung der besten Olympioniken, die mit einem Lorbeerkranz geehrt werden, und dem feierlichen Löschen des Olympischen Feuers.

Eurythmie in der Unterstufe

In der Schule begleitet die Eurythmie die Entwicklungsstufen der Kinder durch die Klassenstufen hindurch und unterstützt die Schüler vielfältig in ihren Reifeprozessen. Darüber hinaus werden Inhalte des Unterrichtes in Bewegungs-„Aufgaben“ umgesetzt. Das Grundthema der 1. Klasse sind Märchen, genauso ist es im Eurythmieunterricht. Der Klassenlehrer legt viel Wert auf das Zusammenwachsen der Klasse zu einer Gemeinschaft. In der Eurythmie geht in den ersten drei Klassen alle Bewegung vom Kreis aus und findet sich wieder darin als dem geometrischen Gebilde indem man von jedem wahrgenommen werden kann und jeden wahrnimmt. Die Gerade und die Gebogene aus dem Formenzeichnen werden im Eurythmieunterricht vielfältig im Raum bewegend erlebt.

In der 2. Klasse bilden Fabeln und Legenden den Erzählstoff des Hauptunterrichtes ebenso wie in der Eurythmie. Sich einfühlend in den Charakter der unterschiedlichen Tiere werden diese - oft durch Musik unterstützt - dargestellt. Die Grundformen wie Gerade, Kreis, Bögen, Spirale und die halbe Acht werden vertiefend geübt. Im „Wir“ wird mehr und mehr ein „Ich und Du“ erlebt. Das wird zum Beispiel durch Übungen aufgegriffen, bei denen ein Schüler die von seinem Mitschüler gelaufene Raumform spiegelt. Im Formenzeichnen werden Spiegelformen gezeichnet.

Die 3. Klasse steht ganz im Zeichen von Handwerkern und Hausbau. Die Schüler/innen sind starken leiblichen und seelischen Veränderungen unterworfen und müssen einen neuen Zugang zu sich und ihrer Umwelt finden. Dieses versinnbildlicht die Bewegung einer großen Acht im Raum, wo das Innenwelt-Erleben in ein Außenwelt-Erleben hinübergeht. Dazwischen ist, quasi als Schwellenerlebnis, die Kreuzung gelegt. In der Toneurythmie wird dieses Erlebnis im Gestalten der Dur- und Moll-Terz-Gebärde aufgegriffen. Gedichte, die Handwerker mit ihren Tätigkeiten zum Inhalt haben, werden der Arbeit zugrundegelegt. Dreieck und Viereck werden als Formbewegungen vielfältig erarbeitet.

Die Inhalte, mit denen sich die 4. Klasse beschäftigt, stammen aus der germanischen Mythologie. Das wird im Stampfen des Stabreimes aufgegriffen. Demgegenüber stehen Gruppen-Übungen, die das Gemeinschaftsgefühl pflegen. Im Hauptunterricht wird das Bruchrechnen geübt. Im Eurythmieunterricht werden ganze Noten gespielt, dabei laufen die Kinder auch mit langsamen Schritten, dann doppelt so schnell die halben Noten, dann die viertel, die achtel und die sechzehntel Noten-Werte. Das kann vielfältig variiert werden.

U. Böhm

Eurythmie in der Mittelstufe

In der 6. Klasse stehen die Kinder einerseits gut auf der Erde, können andererseits aber – bildlich gesprochen – noch gut an den Himmel reichen. Im Hauptunterricht wird hierauf mit Gesteinskunde auf der einen und Sternenkunde auf der anderen Seite Bezug genommen. Musikalisch gesprochen greifen wir vom Grundton (Erde) mit einer großen Gebärde bis zur Oktav (Himmel). So steht dieses Intervall auch über der ganzen Arbeit im Eurythmieunterricht in dieser Altersstufe.

Die anderen Intervalle werden erarbeitet, wenn im ersten Physikunterricht in der Akustik die Gesetzmäßigkeit der Teilung einer Saite am Monochord behandelt wird. Die Arbeit an den Rhythmen wird fortgesetzt, jetzt aber erweitert durch den Gegenrhythmus. So laufen wir zum Beispiel „kurz-kurz-lang“ ( Anapäst ) mit den Füßen und geben eine Kugel mit „lang-kurz-kurz“ ( Daktylus ) gleichzeitig weiter. Die erste Geometrieepoche mit Lineal, Zirkel und Dreieck ist in der 6. Klasse angesiedelt. In der Eurythmie machen wir „ bewegte“ Geometrie:  eine Gerade im Raum bilden, einen Winkel, einen Kreis, Parallelen usw.  Beim Umstellen von einer Form in die andere ist schnelle Reaktion und Geistesgegenwart gefordert. Jedes Kind muss mitdenken und mitgestalten. Dies mündet in die Arbeit am Sechseck bzw. Sechsstern.

 

Eurythmie in der Oberstufe

Eurythmie in der Oberstufe

In der Oberstufe zielt die eurythmische Arbeit auf ein selbstständiges und dynamisches Ergreifen der eurythmischen Bewegungselemente hin. Diese werden weiterhin vertieft und geübt. Sie werden nun aber nicht mehr aus der Nachahmung, sondern  aus einem bewusstem Beherrschen der eurythmischen Stilelemente heraus bewegt.

Die eurythmischen Elemente können dadurch zum bewegungsmäßigen Ausdrucksmittel der eigenen Persönlichkeit werden. Der Schüler entwickelt somit  in den oberen Stufen seine künstlerischen und gestalterischen Fähigkeiten und lernt sich gleichzeitig in dem sozialen Gefüge einer Gruppe mit seiner Persönlichkeit zu integrieren.

Anabel Bindewald

(Master in Eurythmiepädagogik)

Einen wichtigen Baustein im Fächerkanon der Waldorfschule bilden die handwerklichen,- praktischen- und künstlerischen Fächer.

Sie ergänzen die kognitive Entwicklung und ermöglichen den Altersstufen entsprechend ein im weitesten Sinne „ganzheitliches Begreifen und Erfahren der Welt“.

Schon ab der ersten Klassen beginnt für alle Kinder der Handarbeitsunterricht, der sich bis zum Ende der achten Klasse fachlich und altersentsprechend weiterentwickelt.

In der Unter- und Mittelstufe werden Handwerkliche Fächer in kleinen Grüppen jeweils einmal pro Woche eine Doppelstunde unterrichtet.

Handarbeit

In unserer Schule gehört der Handarbeitsunterricht von der ersten Klasse an zum Stundenplan. Bis zur 8. Klasse erlernen die Schüler Grundfertigkeiten im Stricken, Häkeln, Sticken, Nähen und Filzen. Alle Arbeiten sind so ausgewählt, dass sie im jeweiligen Alter umgesetzt werden können und im Alltag auch Verwendung finden. Durch die Arbeit mit den Händen schulen die Schüler ihre Feinmotorik, ihre Kreativität und ihre Ausdauer. Das soziale Miteinander wird durch gegenseitige Hilfe gestärkt.

So entstehen in der

1. Klasse gestrickte Zwerge, Flötenbeutel oder Bälle

2. Klasse: Gehäkelte Topflappen und Ballnetze

3. Klasse: Gestrickte Mützen und Schals oder Loops

4. Klasse: Mit Kreuzstich bestickte Taschen oder Handarbeitsmäppchen

5. Klasse: Gestrickte Socken

6. Klasse: genähte Tiere aus selbst gefilzten Stoffen nach eigenen Entwürfen

7. Klasse: gefilzte Hausschuhe

8. Klasse: Nähen mit der Nähmaschine (Tretmaschine und elektrische Maschine) Schürzen, Handarbeitsbeutel für die Patenkinder, Stiftmäppchen

Werken 5. bis 8. Klasse

Werken 5. Klasse

Voller Freude und sichtlichem Schaffensdrang beginnen wir in der 5. Klasse mit der handwerklich künstlerischen Arbeit. Die Vielfalt der gestalterischen Möglichkeiten erarbeiten die Kinder zunächst an Hand mehrerer plastischer Übungen in Ton. Es gilt in unterschiedliche Formqualitäten einzutauchen und diese bewusst zum Ausdruck zu bringen. Eine liegende, wiederkäuende Kuh, oder eine Raubkatze, die ihrer Beute voller körperlicher Anspannung und Konzentration auflauert, ermöglichen Formensprachen, die die Kinder aus der eigenen Erfahrung und Erinnerung nun gestalterisch umsetzten.

In der Holzwerkstatt

Nach all den neuen Eindrücken und gesammelten Erfahrungen beginnt die eigentliche, lang ersehnte Arbeit mit Holz. In einer Holzwerkstatt gibt es viel Neues zu entdecken. Der sichere und richtige Umgang mit dem Werkzeug ist ebenso wichtig zu erlernen wie die gegenseitige Wahrnehmung und Achtung der Mitschüler. Gemeinsam entdecken die Schüler, wie viele Holzarten (Bäume) ihnen tatsächlich schon namentlich bekannt sind. Es gilt nun die Unterschiede der Hölzer zu entdecken. Die spannende Frage ist ja nun, wie gelingt es aus einem größeren Ast für jedes Kind ein eigenes Werkstück abzutrennen. Gemeinsames Beraten und Probieren führen sicher begleitet zum gezielten Einsatz von Säge und Spaltkeil und letztlich zum eigenen Werkstück. Nun beginnt die gestalterische Arbeit. Eine Vielzahl kleinerer Werkstücke wie Mäuschen, Löffelchen, Rindenbötchen etc. entstehen mit dem Handschnitzmesser, der Raspel und Feile. Die kontinuierliche Arbeit und ein respektvoller Umgang mit Holz und Werkzeugen führen hier bereits zu sehr schönen Ergebnissen.

Werken 6. Klasse

In der 6. Klasse, wenn sich die Pubertät immer unübersehbarer ankündigt, werden Gebrauchsgegenstände aus edlen (und härteren) Hölzern gefertigt. Dazu können die Werkstücke nicht mehr in der Hand geschnitzt werden, sie werden in der Hobelbank eingespannt und mit Beitel und Holzhammer bearbeitet. Die innige Verbindung mit dem Werkstück weicht größerer Distanz, und immer mehr wird auch körperliche Kraft und Genauigkeit gefordert. Hauptsächlich sind Ausdauer und Formsinn gefragt, wenn aus dem groben Holzscheit z.B. ein feiner Brieföffner oder ein Salatbesteck werden soll. Eine spannende Herausforderung ist es auch, anhand einer geschnitzten Eule mit beweglichen Flügeln oder einer beweglichen Tier- Marionette Dinge zum Funktionieren zu bringen. Neue Arbeitstechniken werden erprobt und in der Ausarbeitung unterschiedlicher Werkstücke verfeinert.

Werken 7. Klasse

In der 7. Klasse beherrschen die Schüler die Werkzeuge nun schon recht sicher und können gezielter mit gestalterischen Fragen und Aufgaben konfrontiert werden. Sie dürfen sich je nach Neigung eine dem Alter entsprechende Aufgabe wählen: ein Boot oder eine Schale. Der Arbeitsauftrag an beiden Werkstücken jedoch steht fest. Höhlung und Wölbung, Konkav und Konvex, Innen und Außen gestalterisch in Einklang zu bringen. Durch diese anspruchsvolle Arbeit erwerben die Schüler nicht nur Durchhaltevermögen sondern auch die Gewissheit, dass langwierige und schwere Arbeitsabläufe immer zu einem guten Ergebnis führen, so man es tatsächlich will.

Werken 8. Klasse

Die achte Klasse führt mit dem Schreinern eines Hockers schon in die Nähe der Oberstufe. Jetzt kann man nicht mehr schöpferisch drauflos arbeiten. Arbeitsgänge müssen nun geplant, überschaut und vorgedacht werden. Die Sitzfläche wird entworfen, die Form der Hockerbeine wird dem Entwurf entsprechend angepasst. Alle einzeln präzise gefertigten Teile werden letzlich dem Plan entsprechend miteinander verbunden und ergeben nun ein Ganzes. Die ersten Holzverbindungen werden geübt.

Gartenbau

Es mag sich grotesk ausnehmen, aber man muss immer wieder behaupten: ein Mensch, der nicht gelernt hat, einen Roggen von einem Weizen zu unterscheiden, ist kein ganzer Mensch ...

Rudolf Steiner

Seit der Gründung der ersten Waldorfschule ist der Gartenbauunterricht bis heute ein Fach für die Altersstufen 12 bis 16 Jahre. In der 6. und 7. Klasse hat jeder Schüler eine Doppelstunde pro Woche Gartenbauunterricht, in der 8. zwei 6-wöchige Epochen mit 3 Doppelstunden und in der 9.Klasse eine 1-wöchige Blockepoche mit 6 Stunden täglich. Die körperliche Arbeit an der Erde bietet ein notwendiges Gegengewicht zur Pubertät der SchülerInnen. Der Umgang mit den verschiedenen Geräten wie Spaten, Hacke, Sichel usw. gibt den "wachsenden Unbilden der Zeit" u.a. durch die ausgereifte Intelligenz der Werkzeuge formende Kraft wie eine "Stütze". Wie sinnvoll sind doch ein Spaten, eine Hacke gebaut!

Die Erde, die Pflanze, das Tier verlangt nach diesem und jenem, und so ergibt sich der Sinn der Arbeit durch die äußere Natur. Im Gartenbau wird die Natur durch den Menschen zu einem Kulturraum, in dem die Arbeit nicht erfunden wird, sondern sich aus der Sache heraus ergibt. Für die SchülerInnen bedeutet dies: "Ich arbeite nicht für mich selbst, sondern gemeinsam mit den anderen für eine Sache."

Sie lernen dabei aber auch, dass z.B. eine Pflanze nicht machbar ist wie ein Werkstück - ich bin also nicht ihr Schöpfer, sondern ich trage nur etwas dazu bei, damit etwas (aus höherer Ordnung) gedeihen kann. Der soziale Aspekt, nämlich die viele Arbeit nur mit anderen gemeinsam bewältigen zu können, ist ein Grundtenor des Gartenbauunterrichts. Auf unserem ca. 4 ha großen Schulgelände befindet sich ein Schulgarten, in welchem für die Schulküche Gemüse und Kräuter nach ökologischen Gesichtspunkten angebaut werden. Obstbäume und Beerensträucher ergänzen den Garten. Um diesen herum schließen sich verschiedene Sträucher, Hecken, Bäume sowie Wiesen und Weideflächen für eine kleine Schafherde an. Ein kleiner Betriebsorganismus, der sich aus der "Landschaft" heraus entwickelt hat und vielseitige Möglichkeiten für sinnvolle Arbeitsfelder bietet.

Bernd Bleffert

Es ist für den Menschen, für seine soziale Entwicklung von besonderer Bedeutung, bis in seine Hände erlebt zu haben, dass Menschen immer auf die Arbeit anderer Menschen angewiesen sind.

Rudolf Steiner

In den Klassen 9-11 findet der Handwerklich- Künstlerische Unterricht in fünf- bis siebenwöchigen Epochen zu je sechs Fachstunden pro Woche statt.

Kunst in Klasse 9 bis 12

Zeichnen in der 9. Klasse

„Um überhaupt anzufangen, braucht es Mut“!

Erst einmal geht es darum, die Gewissheit zu bekommen, dass Zeichnen erlernbar ist. Es ist Übungssache. Der erste Schritt ist: Sehen zu lernen, und zwar anders als es im Alltag geschieht! Auf das Sehen kommt es an, die Tomate die ich zeichne, schaue ich anders an als die, die ich esse. Dann üben wir.

Der Gegenstand, der gezeichnet wird, muss einzigartig werden. Der sonst so oberflächlicher Blick geht in die Tiefe, ins Genaue. In die Oberflächenstruktur, den Glanz und alle Schattenbereiche, von tief schwarz bis hellgrau und weiß. Dies erfordert am Anfang große Geduld und Hingabe.

In der 9. Klasse beschäftigen sich die Schüler mit den drei Hauptbereichen der Graphik: Linie, Fläche und Schraffur. Hinzu kommen Hell und Dunkel sowie die Raumperspektive.

Wir üben die Linienführung. Linien „schön“ zu zeichnen ist die Forderung. Dynamische Zeichnungen entstehen. Qualitäten von Ruhe (Horizontale), Aufrechte ( Vertikale) und Bewegung (Diagonale und Bögen) werden erkannt.

Danach geht es schrittweise an das Abzeichnen von Stillleben, Bäumen, Landschaften und Gesichter von Fotos. Nach einer Methode von Betty Edwards zeichnen wir auch von auf den Kopf gedrehten Fotos ab. Die ungewohnte Sicht fördert das genauere Hinsehen.(Bildbeispiele!)

Malen in der 10. Klasse

Nach der Beschäftigung in Schwarz-Weiß während der 9.Klasse finden wir in der 10 Klasse den Einstieg in die Welt der Farben und Flächen. Was sind die Gesetzmäßigkeiten der Farben? Wie stehen sie in Verbindung zueinander, wie lässt sich was mischen? Was ist der Unterschied zwischen farbig und bunt? Anschließend geht es in die Landschaftsmalerei in freier Art oder auch als Kopien von berühmten Künstlern der klassischen Moderne.

  

Malen in der 11. Klasse

Ein Gefühl für Farb- und Formgesetzmäßigkeiten ist bei den Schülern entstanden. Jetzt kann die Entwicklung in der modernen Malerei nachvollzogen werden. Die Farben, Formen und auch Linien emanzipieren sich jetzt von der gegenständlichen Welt. Um mit Paul Klee zu sagen: „Die Kunst ahmt nicht mehr das Sichtbare nach, sondern macht etwas sichtbar! “Die Abstraktion und ihre formal ästhetischen Kriterien stehen nun im Vordergrund: Was ist eine Bildkomposition, was macht ein Bild zum Bild, was bewirkt eine spannungsreiche Harmonie im ungegenständlichen Bild?

Malen in der 12. Klasse

Menschenkundlich ist nun die malerische Darstellung des Themas „ Mensch“ dran. Begeistert steigen die Schüler in dieses Thema ein, es ist genau das „Richtige“ für dieses Alter!

Zunächst wird auf getöntem Papier ein Portrait vom lebenden Modell so dargestellt, dass sowohl die beleuchteten Bereiche (genannt: Weißhöhung) als auch die Schatten gezeichnet werden. Dann wird das entstandene Portrait in mehrere Teile zerrissen. Jetzt wird nach einem Motiv gesucht, bzw. einem Titel. Z..B. „ der innere Palast“, oder „ der dunkle Glanz der Freiheit“, etc. Mit den Portraitteilen, Fotos aus Zeitschriften, Aquarellkreiden, Acrylfarben und farbigen Papieren entsteht eine Collage, die eine Botschaft in stilisierter und verfremdeter Weise vermitteln soll.

(Bildbeispiele)

Ein nächster Schritt ist die Portraitmalerei anhand von Vorlagen oder in freier Weise. Stimmungen, Charaktere und Temperamente sollen nicht „realistisch“ sondern sichtbar machend (verfremdet, expressionistisch) zum Ausdruck gebracht werden.

(Bildbeispiele)

Kupfertreiben 9. Klasse

In der 9. Klasse erleben viele SchülerInnen einen deutlichen Wachstumsschub. Damit einhergehend stehen neu gewonnene Kräfte zur Verfügung. In dieser Zeit kommt ihrem Bedürfnis nach einer wirklichen Herausforderung, nach Klarheit und Objektivität die Arbeit in der Kupferwerkstatt entgegen. Nur unter genau richtigem Einsatz der speziellen Werkzeuge können die Kupferwerkstücke in treibender und stauchender Weise geschmiedet werden. Jeder findet allmählich seinen eigenen Schlag- und Arbeitsrhythmus welcher mit zunehmender Sicherheit und angemessenem Einsatz der Kräfte zu mehr Ausdauer und Genauigkeit verhilft.

Korbflechten 9. Klasse

Korbflechten wird in der 9. Klasse  als 5 bis 6-wöchige Epoche mit 3 Doppelstunden pro Woche unterrichtet. Die Schüler erlernen nicht nur die grundlegenden Techniken des Korbflechtens,  vielmehr geht es auch um den Prozess aus einem staksigen ungeordneten Wirrwarr von Peddigrohr oder Weiden ein geordnetes Gebilde zu erstellen, das alleine stehen kann. Dies gelingt nur indem man mit seinem ganzen Willen das Werkstück ergreift und formt.

Schneidern 9. Klasse

Nachdem die Schüler in der 8. Klasse sich mit der Funktion der Tretnähmaschine vertraut gemacht und einen Einblick in die Mechanik gewonnen haben, lernen sie den Umgang mit der elektrischen Nähmaschine. An verschiedenen Arbeiten erproben sie die einzelnen Nähtechniken und können bis zum Ende des 8. Schuljahres die Maschine sicher und selbständig handhaben. Die Schneider Epoche in der 9. Klasse wird dann im Block gegeben: eine Woche lang, täglich von 10.00 bis 15.15 Uhr. Jetzt kann jeder Schüler nähen, was er möchte und was seinem Können entsprechend möglich ist. Erste Entwürfe werden gemacht. Nachdem sich die Schüler gegenseitig ausgemessen haben - ein äußert sensibler Prozess, bei dem jeder sich unmittelbar mit seinem Körper konfrontiert - geht es zum Einkaufen. Gemeinsam wird nach einem passenden Stoff gesucht. Dann muss ein vorhandener Schnitt der eigenen Größe entsprechend modifiziert oder den eigenen Vorstellungen entsprechend abgeändert werden. Oft muss je nach Projekt der Schnitt am eigenen Körper abgeformt oder konstruiert werden. Dann wird zugeschnitten, geheftet und genäht und alles für eine erste Anprobe vorbereitet. Jetzt müssen Nähte enger gesteckt werden, der Saum gekürzt oder der Ausschnitt vergrößert werden; wieder eine Arbeit bei der man auf die Hilfe eines Mitschülers angewiesen ist.  Dann wird mit der größtmöglichen Sorgfalt genäht. Ziel ist es, dass jeder Schüler lernt, seine Arbeit eigenständig zu organisieren, die Zeit selbständig einzuteilen und bei Bedarf die nötige Hilfe in Anspruch zu nehmen. Tägliche  Arbeitsbesprechungen, bei denen jeder Einblick auch in die Arbeit der Mitschüler erhält, begleiten die Epoche. Am Ende soll ein Kleidungsstück entstehen, das den eigenen Vorstellungen entspricht und so gut wie möglich verarbeitet ist. Dabei gilt es nicht nur das im Lauf der Jahre erlernte nähtechnische Können zur Anwendung zu bringen, sondern auch ein sicheres Gefühl für die Gestaltung der Kleidung, unserer zweiten Haut, zu entwickeln und heraus zu finden: Wer bin ich und wie will ich mich nach außen zeigen? Ein spannender Prozess, der den Schülern Freude bereitet und unabhängig von der gerade gängigen Mode zu Experimenten einlädt. Ist die Arbeit fertig, wird sie fotografiert. Ein detaillierter Arbeits- und Erfahrungsbericht rundet die Epoche ab und das Kleidungsstück geht, wenn möglich, gleich in den täglichen Gebrauch oder wartet auf den großen Auftritt.

Weben 10. Klasse

Inzwischen verfügt unsere Werkstatt über zehn Webstühle, die wir im Lauf der Jahre geschenkt oder als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt bekommen haben, sowie große Rahmen. In jeder Epoche müssen mindestens zwei oder drei Webstühle neu bespannt werden. Das heißt, da alle vorbereitenden Arbeiten nur mit Hilfe bewältigt werden können, nehmen alle Schüler an allen Arbeitsschritten aktiv teil: Kette machen, Scherbaum, Kette aufziehen, Webstuhl, Kette einziehen.

Ungefähr zwei Drittel der Epoche werden für diese vorbereitenden Arbeiten gebraucht. Dann kann erst die eigene Arbeit beginnen. Die Kette muss absolut gleichmäßig straff angebunden werden. Jetzt gilt es sich mit dem Webstuhl vertraut zu machen.Da wir über lauter unterschiedliche Modelle verfügen, muss sich jeder separat mit den speziellen technischen Möglichkeiten seines Webstuhls auseinandersetzen. Das Weben an sich ist dann wieder für alle gleich. Nachdem jeder seine Webarbeit im Groben geplant hat, sind Materialwahl und die farbliche Gestaltung der Entscheidung der SchülerInnen überlassen. War man bis jetzt immer gezwungen sich auf neue Arbeitsprozesse einzulassen, mit ständig wechselnden Anforderungen klar zu kommen und je nach Bedarf flexibel bei allen möglichen Arbeiten mit anzupacken, so ist ab jetzt Geduld gefragt. In den nächsten Stunden gilt es sich mit dem Webstuhl vertraut zu machen. Nur mit Schnüren verknotet sind die einzelnen Teile des Webstuhls eben kein statisches Gerät, sondern direkt mit den Bewegungsabläufen des Menschen verbunden, sie können sich verhaken und den reibungslosen Arbeitsablauf  behindern.

Mit feinem Fußspitzengefühl sind die Schäfte in der richtigen Reihenfolge zu bedienen, um das gewünschte Fach zu erhalten. Jetzt kann das eigentliche Weben beginnen. Mit dem Weberschiffchen wird der Faden, Schuss für Schuss, in das jeweils wechselnde Fach   eingelegt. Hierbei ist die gleichmäßige Webkante die größte Herausforderung. Im sicher koordinierten Zusammenspiel von Hand und Fuß zeigt sich wahres Können. Mit Sorgfalt und Ausdauer entstehen immer wieder ganz persönlich gestaltete Arbeiten.

Neben den erworbenen praktischen Fähigkeiten sowie den dabei gesammelten sozialen und persönlichen Erfahrungen haben sich die Schüler mit einer der ältesten Kulturtechniken der Menschheit vertraut gemacht. Noch heute sind die Abläufe in den modernen Webereien die gleichen, wobei die Handarbeit durch die Technik unserer Zeit ersetzt worden ist.

Geometrie 9. und 10. Klasse

Die darstellende Geometrie ist wie die Perspektive ein Zweig der Geometrie, der sich mit der Wiedergabe räumlicher Gebilde auf ebene Zeichenflächen befasst. Im Gegensatz zur Perspektive, die ihre Bilder nach den Gesetzen, die sich aus dem Sehen von einem Standpunkt aus ergeben, konstruiert, entspricht die Konstruktion in der darstellenden Geometrie dem Abtasten eines Gegenstandes, bei dem man sich mit seinen Formen und Größen mitbewegt.

In Klasse 9 werden verschiedene Schnittebenen eines Würfels gezeichnet sowie der innere Zusammenhang zweier geometrischer Körper erarbeitet. Diese und weitere Körper werden in Klasse 10 dann in Grundriss, Aufriss und verschiedenen (orthogonalen Parallel-) Projektionen konstruiert. Die in praktischen Anwendungen eher selten vorkommenden fünf Platonischen Körper bieten durch das reichste Auftreten geometrischer Zusammenhänge vielfältige Anregungen zur Belebung des Denkens. Mit dem sorgfältig und genau auszuführenden Zeichnen wird der gedankliche Inhalt – die Vorstellung des Körpers – als eigentlich abstrakter Gedanke so konkret erfasst, dass wie an einem realen Gegenstand gearbeitet werden kann.

Schnitzen 10. Klasse

in Bearbeitung

Plastizieren

Plastizieren 10. Klasse

Die Plastizierepoche in der 10. Klasse beginnt häufig mit der Erarbeitung einer Reihe platonischer Körper. Es wird die Aufmerksamkeit für die Wahrnehmung formaler Gegensätze (konkav-konvex) durch Übungen geweckt und geschult. Im Erstellen verschiedener Masken und unter Berücksichtigung selbst ermittelter menschlicher Gesichtsproportionen wird das Erlernte zur Anwendung gebracht. Hier ergibt sich in der gemeinsamen Auseinandersetzung mit den entstehenden Schöpfungen auch der Zusammenhang zwischen Formqualitäten und Ausdruckskraft bzw. ihrer Wirkung auf den Betrachter. Weitere Betrachtungen zu sich ähnelnden oder auch gegensätzlichen Seelengesten sowie das Ermitteln der tatsächlichen menschlichen Gestaltproportionen führen gegen Ende der Epoche zum Plastizieren einer Figur oder Figurengruppe.

Plastizieren 11. Klasse

Den Höhepunkt des Plastizierunterrichtes bildet die „Portraitepoche“ der 11. Klasse. Handwerklich als auch Künstlerisch sind die Schüler jetzt im Stande in individueller Arbeit sich mit der Anatomie des menschlichen Kopfes und dessen Formenvielfalt zu befassen und diese in einer eigenen Arbeit künstlerisch umzusetzen. Das Ziel ist es einen menschlichen Kopf naturalistisch nachzugestalten und ihm einenmenschlich lebendigen, charakteristischen Ausdruck zu verleihen.

Technologie in Klasse 9 und 11

Der Technologieunterricht findet in Gruppen von zehn bis dreizehn Schülern in den Klassen 9 und 11 in fünf bis sechswöchigen Einheiten mit drei Doppelstunden pro Woche statt. In Klasse 9 werden lebenspraktische Fähigkeiten wie etwa das Arbeiten mit Textverarbeitung und Tabellenkalkulation geschult. Außerdem werden die grundlegenden Begriffe der Computerhardware vermittelt und die Schülerinnen und Schüler bauen „ihre“ Computer aus dem Unterricht einmal komplett auseinander und setzen sie wieder zusammen. In Klasse 11 wird der grundlegende Aufbau des Internets dadurch vermittelt, dass die Schülerinnen und Schüler eigene, zunächst statische Internetseiten in HTML und CSS  „programmieren“. Beispiele für den Einsatz der Programmiersprache PHP sind einfache dynamische (auf Benutzereingaben reagierende) Internetseiten.

Schreinern

Schreinern 10. Klasse

Inhaltlicher Schwerpunkt der Schreinerepoche sind Holzverbindungen und Holzverarbeitungstechniken. Die Schüler können an Hand eines selbst erarbeiteten Werkplans zum Beispiel ein Bücherregal oder eine Bank schreinern. Es kommt darauf an den Plan einzuhalten und Schritt für Schritt die erforderlichen Arbeitsabläufe handwerklich korrekt umzusetzen. Theoretisch werden Konstruktionspläne für passgenaue Zinken und Schwalbenverbindungen gelernt und am eigenen Werkstück praktisch umgesetzt.

Schreinern 11. Klasse

Auch in der 11. Klasse ist die Holzverbindung Bestandteil der handwerklichen Arbeit. Die bereits erlernte Holzverbindungstechnik dient jetzt als Mittel zum Zweck. Der Gestaltungssinn, das „Design“, stehen nun im Mittelpunkt. Die Schüler dürfen nun, mit dem Wissen um technische Umsetzbarkeit, ein eigenes, schönes, brauchbares Möbelstück entwerfen. Auch gestalterische Mittel wie Intarsien führen zu schönen, individuellen Ergebnissen wie Tablett, Zeitschriftenständer, Schatullen und vielem mehr.

Buchbinden

Fast täglich haben wir ein Buch in der Hand oder machen uns Notizen auf einem Stück Papier.

Papiere und Leinen in vielen Größen und Farben, Pappen in unterschiedlichen Stärken, Bänder verschiedenster Art, Farben, Leim und Kleister. Mit diesen Materialien arbeiten die Schüler, lernen sie gründlich kennen, lassen sich inspirieren und fertigen daraus Schachteln, Ordner und Bücher.

Ein Kunsthandwerk, ein Unterrichtsfach, welches sowohl handwerkliche Fertigkeiten als auch künstlerisches Gestalten zusammenbringt. Eine gelungene Symbiose aus technischer Exaktheit und künstlerischer Freiheit. Und das alles mit einem Material, welches den Schülern und Schülerinnen bestens bekannt ist und doch bei der Verarbeitung überraschende Eigenschaften zeigen kann.

„An sich ist das Buchbinden eine einfache Arbeit. Das Technische muss man natürlich gut können“, hat Rudolf Steiner einmal gesagt, und er hat recht! Obgleich natürlich das genaue Messen, Zuschneiden und Kleben erst einmal von den Schülern geübt werden muss, bevor das künstlerische Gestalten beginnen kann. Von der Kartonage zum Buchbinden. Die Schüler lernen ein Handwerk, erüben die richtigen Handgriffe und fertigen so selbstständig ihr erstes Buch. Im Ergebnis verwirklichen sie sich selbst, durch die künstlerische Gestaltung entsteht nicht ein Buch, sondern ihr Buch!

Steinhauen in der 12. Klasse

Den Stein zu bewegen, zu formen, setzt Willen und Durchhaltevermögen voraus. Dem Stein in seiner unerbittlichen Härte Gestalt abzuringen bedarf es einer inneren Stärke und Ruhe zugleich um in einen ernsthaften künstlerischen Arbeitsprozess eintauchen zu können. Die Konsequenz eines jeden Meißelschlages ist stets zu erleben. Der Stein wird zunächst geschält. Das heißt einmal rundherum gleichmäßig bearbeitet, um sich die vom Findling vorgegebene Form eigen zu machen, zu begreifen. Dieser Arbeitsprozess bedarf noch keinerlei gestalterischen Impulses. Jedoch ermöglicht es dem Schaffenden einen Eindruck, der am Stein vielleicht jetzt sichtbar werdenden Form zu erkennen und diese weiterentwickelnd aufzugreifen. Die bildhauerische Arbeit am Stein bietet den Schülern die Möglichkeit aktiv in einen individuellen Arbeitsprozess zu finden um letztlich etwas eigenes, ernsthaft Künstlerisches zu entwickeln.

Weitere Fächer an unserer Schule sind:

Religionsunterricht

Der Religionsunterricht ist verpflichtend für alle Schülerinnen und Schüler unserer Schule. In der Freien Waldorfschule Trier wird katholischer Religionsunterricht und freier Religionsunterricht angeboten. Bei entsprechend starker Nachfrage ist auch evangelischer Religionsunterricht möglich.

Für die Klassen 2-8 entscheiden die Eltern darüber, welchen Religionsunterricht ihr Kind besucht, während ab der Klasse 9 diese Entscheidung von den Schülerinnen und Schülern selbst getroffen wird. In den Klassen 11 und 12 können sich die Schülerinnen und Schüler immer halbjährlich ein thematisch ausgerichtetes Religions-/Philosophieangebot wählen, das von mehreren Lehrern des Religions-/Philosophiekollegiums gestaltet wird.

Der katholische Religionsunterricht wird für die Klassen 2 bis 13 erteilt. Er ist auch mögliches Abiturfach (GK). Der Unterricht wird von Lehrkräften erteilt, die von der katholischen Kirche an die Schule geschickt werden.

Der freie Religionsunterricht beginnt ab dem 2. Schuljahr und richtet sich auch an diejenigen Schülerinnen und Schüler, die keiner Konfession angehören. Der Unterricht wird in der Regel von Klassenlehrern der Schule erteilt. Er möchte einen lebendigen, christlichen Glauben und die Bedeutung der Botschaft Jesu Christi vermitteln, um den Heranwachsenden einen Weg aufzuzeigen, der ihnen auf der Suche nach lebenswichtigen Erkenntnissen helfen kann. Dazu dienen biblische Geschichten des alten und neuen Testaments, Gespräche zu tiefgreifenden Fragen über das Leben, passende Lieder und verschiedene Biographien von Männern und Frauen des Glaubens.

Musik

An der Waldorfschule durchzieht das musikalische Element, das eine besonders wichtige Rolle im menschlichen Empfindungs- und Kommunikationsleben spielt,  generell den Unterricht, z.B. beim gemeinsamen Singen und Rhythmisieren.

Im Musikunterricht, der durchgehend von Klasse 1 – 13 erteilt wird, legen wir Wert auf die Ausbildung individueller, künstlerischer sowie gemeinschaftsbildender, sozialer Kompetenzen.

In den ersten Klassenstufen soll die musikalische Substanz geweckt werden, die das Kind mitbringt: Schrittweise wird das Hör- und Lauschvermögen ausgebildet und die musikalische Empfindungsfähigkeit gefördert. Beim Singen knüpft das Liedgut in der Quintenstimmung mit seiner freien Beweglichkeit an das Befinden der Kinder an. Das Spiel auf der Kinderharfe wird geübt, später kommt die pentatonische, dann die diatonische Flöte dazu.

In der Mittelstufe ab Klasse 4 lernen die Kinder die musikalische Welt von ihren Elementen her zu ergreifen und anfänglich zu handhaben. Die Notenschrift und die der Musik zugrunde liegende Struktur wird kennen gelernt. Die gemeinsamen Lieder werden, ausgehend vom Kanon, zunehmend mehrstimmig. Da sind beim Einzelnen und in der sowohl  Gruppe Standhaltevermögen als auch Flexibilität gefragt. Die Stimme als das gemeinsame „Instrument“ aller Menschen wird durchgängig im gemeinsamen Gesang gepflegt.

Wenn die Zeit kommt, ein persönliches Instrument zu erlernen, beraten die Musiklehrer gerne bei der Auswahl. Es besteht auch eine gute Zusammenarbeit mit professionellen Instrumentallehrern, die nachmittags in den Klassenräumen privaten Unterricht erteilen.

Ein Waldorfschüler sollte die Schule mit der Fähigkeit verlassen, praktisch und kreativ Musik auszuüben, sei es im Singen, Musizieren, Trommeln etc. sowie Musik mit geschultem Hörsinn und differenzierter Wahrnehmung aufzunehmen. Mit dem in der Schule erworbenen Grundstock sollte er ein Rüstzeug erhalten, mit Musik in seinem Leben auf erfüllende Weise umgehen zu können. 

Orchester

Im Klassen- und Mittelstufenorchester können sich die Schüler als musizierende Gemeinschaft erleben, sie lernen im künstlerischen Prozess ihre Teamfähigkeit auszubilden und die sehr unterschiedlichen Fähigkeiten zu einem konstruktiven Zusammenspiel zu bringen

Bei festlichen Gelegenheiten, z.B. auf Schulfeiern haben die Schüler immer wieder die Möglichkeit, ihr Können zu zeigen.

Im Oberstufenorchester intensiviert sich die Arbeit durch Orchester-Intensivzeiten und eine Orchesterreise mit Konzerten. Seit etlichen Jahren arbeiten wir phasenweise mit Waldorfschulen aus der Region zusammen. Das Spiel in einem großen Klangkörper ermöglicht es, auch anspruchsvollere Werke umzusetzen und schafft Möglichkeiten der freundschaftlichen Begegnung.

Philosophie

Was ist der Mensch? Was bedeutet „gutes Leben“? Was können wir erkennen? Wie stellen wir uns unsere Zukunft vor? Wie gelangen wir zu mehr Gerechtigkeit? Wie entwickelt sich Urteilsvermögen?

Mit Fragen wie diesen – immer im konkreten Dialog mit unserem Alltagserleben – beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler der 11. und 12. Klasse gemeinsam als Alternative zum katholischen oder freien Religionsunterricht jeweils eine Doppelstunde pro Woche.

Wir erörtern Themen der Philosophiegeschichte und greifen aktuelles Material aus unterschiedlichen Medien auf, um unseren persönlichen Standpunkt, Problematisierungen und Lösungsansätze zur jeweiligen Fragestellung zu finden. Oft gestalten wir dies auch künstlerisch – je nach dem individuellen Zugang und der bevorzugten Angehensweise der Gruppenteilnehmer. Unser Einstieg in die Arbeit erfolgt immer über ein meditatives Element, um der Reflexion aus der Stille heraus Raum zu geben und konzentriert und unaufgeregt argumentieren zu können.

(Hier noch ein paar Überschriften der letzten Kurse: „Mitten im Lärm trifft dich die Stille“, „Wer den Tod zum Freund hat, dem kann es an nichts fehlen“, „Conrad“, sprach die Frau Mama“…- Überlegungen zur Ethik).

Maria Doro Brandt